Vor einiger Zeit bekam ich einen Anruf. Aus Österreich. Von einer Redakteurin. „Oha!“, dachte ich. Oder „Öha!“ wie der Österreicher vielleicht zu denken pflegt. Dieser Image Spot vom Weser Kurier, der sei doch von mir und so, fragte sie ganz unscheinbar nach, und wann der denn das erste Mal erschienen sei. Ich beantwortete ihr die Frage. Zusammen mit meinem Hamburger Freund Alexander Breker hatte ich tatsächlich im letzten Jahr einen kleinen Kino-Spot für den Weser Kurier produziert, der ein wenig wohlwollendes Feedback im Netz erzielte (siehe mein vorheriger Blog Post).

„Ach…“ wunderte sich die sympathische Dame kokett: „…das ist ja witzig. Sind sie gerade im Internet?“ Ich war. Und während wir telefonierten gab ich auf anraten „Vorarlberger Nachrichten“ und „Image Spot“ auf YouTube ein. Der Clip, den ich dann zu sehen bekam, war zwar offensichtlich mäßig umgesetzt, aber, und das war zweifellos zu erkennen, eine eindeutige 1:1 Kopie unseres Weser Kurier Spots.

Ich war überrumpelt und gebauchpinselt. Ich musste lachen.

Nun, das Vorhandsein der Vorarlberger Nachahmung ist zwar amüsant, aber auch  befremdlich. Befremdlich insofern, als dass man sich nicht hat inspirieren lassen, sondern mit den vorhandenen Mitteln 1:1 kopiert hat – ohne freundliches Anfragen vorher, ohne den Versuch des Kaschierens, ohne einen Hinweis zum Original. Damit das klar ist: Ich verstehe es absolut als eine Wertschätzung und fühle mich im Namen aller Beteiligten geehrt, dass man versucht hat, unser Werk so exakt wie möglich nach zu ahmen.

Was mir Sorge bereitet, ist die Selbstverständlichkeit, mit der im Nachhinein vom Auftraggeber zum Plagiat gestanden wird (VN Verlagsleiter Gerhard Bertsch zu internetszene.at), die Entrüstung des anonym bleiben wollenden Produzenten über das Petzen seines Vergehens, (VN-Spot Produzent bezieht Stellung) und das Fehlen des leisesten Feingefühls der Mitmenschen im Netz, was Kopie, was Inspiration und was logische Konsequenz ist. (Kommentare unterhalb des Artikels auf meedia.de). Kann es vielleicht möglich sein, dass bei über 7 Milliarden Menschen auf der Welt tatsächlich die Idee zu einer Pointe doppelt erdacht wurde?

Wie ich mittlerweile erfahren habe, gab es 2009 schon einen TV Spot der Sun, der eine vergleichbare Grundidee hatte. Okay, das Gedanken-Konstrukt, dass dieser Spot als Inspiration für den Weser Kurier Spot gedient haben könnte, ist theoretisch nach zu vollziehen, aber faktisch schlicht und einfach falsch. Der Vorwurf von diesem, uns ebenfalls unbekannten und großartigen Theater-Sketch aus dem Jahr 2008, geklaut bzw. kopiert (YouTube-Kommentar: „Da hat man 5 Jahre gebraucht um DAS zu kopieren…“) zu haben ist so dermaßen lächerlich absurd, dass ich auch keine Lust habe da weiter Worte drüber zu verlieren.

Wovon wir wirklich inspiriert waren, wo noch keiner drauf gekommen ist, war eine alte Printwerbung der ZMG.


Wer war denn jetzt zuerst da? Hätten wir keinen Gedanken daran verschwenden dürfen, eine Zeitung mit einem Apple-Device vergleichen zu dürfen? Müssen Kreative sich in einen schwarzen Raum schließen und sich von jeglicher Inspiration entfernen? Hätte Apple sagen müssen „Mist, der gute Alexander Bell hat ja das Telefon erfunden, wir müssen leider alle unsere Ideen zum iPhone vernichten.“? Wer sagt mir, dass die ZMG Urheber dieser Idee ist? Ist ein Foto eigentlich mit einem Film vergleichbar?

Wir kommen als Gesellschaft nicht weiter, wenn wir jeden noch so kleinen oder großen kreativen Furz für uns beanspruchen oder andere dafür verachten, wenn sie eine gute Idee adaptieren und neu interpretieren oder weiter entwickeln. Wir kommen als Gesellschaft aber auch nicht weiter, wenn wir kreative Werke ohne irgendeine Eigenleistung 1 zu 1 plagiieren und das Werk dann für uns beanspruchen.

Teilen ist die Grundlage von Kultur. Aber ein kultureller Umgang ist nur mit gegenseitigem Respekt möglich.

Ich bin gespannt, ob die vielen Reaktionen im Netz zum kopierten Imagespot bei den Verantwortlichen der Vorarlberger Nachrichten ein Nachdenken erzielt hat. Es wäre, im Sinne der Kultur und des Respekts, schön. Zumindest haben sie die rechtliche Situation akzeptiert und Ihr Plagiat aus dem Netz genommen.

http://www.youtube.com/watch?v=zfooALXhHBg

http://www.internetszene.at/2014/01/17/vn-image-spot-zum-fremdschamen-das-ist-definitiv-eine-kopie

http://generationanders.com/vorarlberger-nachrichten-kopieren-werbespot-des-weser-kuriers/

http://derstandard.at/1389857407660/Bregenz-ist-Bremen—in-der-Zeitungswerbung