Seit ein paar Jahren sind die Independentfilmer begeistert und längst hat auch die professionelle Filmindustrie den Trend ernst genommen: Digital Single Lense Reflex – kurz DSLR – heißt das Zauberwort.
Dahinter steht eine kuriose Entwicklungsgeschichte. Canons Entwickler hatten sich überlegt, dass es doch ein nettes Gimmick sein könnte, wenn man in ihre Fotoapparate eine Video-Funktion mit integrieren könnte. Der Gedanke dahinter war, das Fotojournalisten so auch die Möglichkeit hätten, mal eben schnell auch ein bisschen Bewegtbild für ein Interview oder ähnliches aufzuzeichnen.
Das sie aber die Filmbranche plötzlich in helle Aufregung versetzen, überraschte den Hersteller nach eigenen Angaben selber. Dabei liegt der Grund eigentlich auf der Hand: Plötzlich gab es die Möglichkeit, mit einer im Vergleich zu HD-Kameras lächerlichen Investition, qualitativ hochwertiges Bewegtbild-Material in HD aufzuzeichnen. Dazu konnte man mit ausgezeichneten Foto-Objektiven arbeiten und hatte einen, salopp gesagt, geilen filmähnlichen Look.
Einer der ersten die das Potential der filmenden Fotokameras entdeckte und sein anfängliches Hoheitswissen immer noch bis zum Äußersten marketingtechnisch perfekt ausschlachtet ist der Engländer Philip Bloom. Der DSLR-Filmer der eigentlich Fotograf ist, verdient sich eine goldene Nase mit Workshops, Equipmentverkäufen und dem ein oder anderen lukrativen Auftrag. Die Fan-Gemeinde die er in kürzester Zeit um sich scharte, hat ihn längst zum DSLR-Guru erkoren.

San Francisco’s People. Canon 5DmkII 24p from Philip Bloom on Vimeo.

Die Möglichkeiten die sich durch das Filmen mit den DSLR-Kameras ergibt wird durch obigen Film klar: Normalerweise ist bei einem HD-Bild alles scharf – Vordergrund und Hintergrund – mit Foto-Optiken kann ein als „Bokeh“ bekannter Effekt erzielt werden, der nicht nur durch die Schärfeverlagerung das Augenmerk auf die wichtigen Dinge im Bild lenkt, sondern vor allen Dingen die unscharfen Bereiche besonders schön aussehen lässt.

Screenshot mit Bokeh / Image in Motion "Lemon Lounge"

Auch die Lichtstärke der Kameras und der Objektive ist ein großes Plus – in vielen Situationen kann der Filmer mit vorhandenen Lichtquellen (available Light) arbeiten, ohne dass das Bild an Qualität verliert, bzw. pixelig wird (zu „rauschen“ anfängt). Einen besonders beeindruckenden Film nur mit available Light hat 2010 der Fotograf und Regisseur Vincent Laforet kreiert:

Nocturne from Vincent Laforet on Vimeo.

Ich selbst habe die Stärken der DSLR-Kameras Anfang 2010 kennengelernt, als ich für das Hotelportal HRS 120 Hotelfilme in nur 3 Monaten mit einem DSLR-Set umsetzte. Alle Filme habe ich alleine und ohne zusätzliches Licht gedreht und geschnitten und meine Erwartungen wurden, ehrlich gesagt, übertroffen. Wenn man bedenkt, dass ein Film (mit Dreh, Schnitt und allem drum und dran) eine Produktionszeit von 3-4 Stunden hatte, dann ist das m.E. schon beachtlich. Hier ein Beispiel:

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Mit den kleinen Fotokameras wurden sogar Dr.House Folgen gedreht, Unternehmen wie Ralph Lauren setzen bei Werbefilmen auf die Canon 5D Mk II, ganze Spielfilme kamen allein mit der Videofunktion der Knipse aus und selbst die Produzenten der Star Wars Filme von Lucasfilm luden Philip Bloom auf ihre Skywalker Ranch zu einem ausführlichen Workshop ein.

Ich habe mich seit 2010 eingehend über das Filmen mit DSLR’s informiert, unter anderem wählte ich bei meiner alljährlichen Teilnahme am Hands on HD Workshop der nordmedia (Film- und Medienförderung Niedersachesen/Bremen) die DSLR-Klasse unter der Leitung von Prof. Uli Plank (Leiter Institut Medienforschung Braunschweig) und konnte mich mit dem deutschen Pendant zu Philip Bloom, Sebastian Wiegärtner, bei einem seiner Workshops austauschen.

Ergebnis meiner eingehenden Recherche und Weiterbildung ist, dass ich mittlerweile ein eigenes, umfangreiches DSLR-Set mit Schwebstativ, Slider, Shoulder Rig etc. besitze. Meine Berichte und Kaufempfehlungen wurden auf finalcutprofi.de schon zu Tausenden angeklickt.

Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass das Filmen mit DSLR’s auch diverse Nachteile mit sich bringt, die es auszugleichen gilt. Natürlich gibt es auch eine Menge Gegner der DSLR-Bewegung die sich aber in den meisten Fällen einfach ärgern, dass jetzt „jeder Hans und Franz“ einen schönen Film-Look erzielen kann. Diese Ängste sind für mich aber gänzlich unbegründet. Ganz so einfach wie diese „Filmrevolution“ klingt, ist sie in der Praxis auch wieder nicht. Wie schon erwähnt müssen diverse Nachteile der Kamera ausgeglichen werden und das geht auch nur mit dem entsprechenden Know-How und teilweise leider auch nur mit Geld. Außerdem: Um wirklich gute Filme zu drehen bedarf es mehr, als nur eine Fotokamera bedienen zu können. Warum sollten da gute Filmer Angst haben? Ich persönlich freue mich über ein weiteres kreatives Werkzeug, das nicht nur einer kleinen elitären Minderheit zugänglich ist.